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"Wenn du nicht der Beste bist, bist du ein Garnichts"
3.11.15 17:00 Uhr

Berlin im Zeichen von League of Legends: Am Wochenende standen sich die besten Teams vor mehreren Tausend Fans im Finale gegenüber. Golem.de hat zugeschaut und mit Insidern über die Erfolgsgeheimnisse der asiatischen E-Sportler gesprochen.


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Mit seinem süßen Hut auf dem Kopf wird der League-of-Legends-Champion Teemo im Spiel unsichtbar, wenn er ganz still steht. Das scheint den vielen jungen Leuten, die eben diesen Hut tragen, in der U-Bahn-Linie 12 am vergangenen Samstagmorgen aber nicht ganz zu gelingen. Sie sind aufgeregt und freuen sich auf ihr Highlight des Jahres: das Finale des Summoner's Cup - oder für alle, die sich mit der E-Sport-Szene nicht so auskennen, einfach die League-of-Legends-Weltmeisterschaft. Und da macht es ihnen auch nichts aus, wenn sie mit den giftgrünen Mützen selbst in Berlin auffallen.


uch andere Berliner Orte sind den E-Sport-Fans geläufig: die Arena Berlin am Treptower Park, in der das deutsche Community-Event mit mehreren Hundert Zuschauern stattgefunden hat. Oder aber die Berliner Gamingbar Meltdownam Hermannplatz, wo rund 70 Leute bei Bier und Public-Viewing über die Spiele fachsimpeln.

Der am meisten gespielte Titel

Der Free-to-Play-Titel League of Legends wird monatlich von rund 67 Millionen Spielern weltweit gespielt und ist damit eines der erfolgreichsten Computerspiele. Das Grundprinzip des sogenannten MOBAs, kurz für Multiplayer Online Battle Arena, ist leicht erklärt: Zwei Teams mit je fünf Spielern kämpfen in einer virtuellen Arena. Ziel ist es, die gegnerische Basis zu zerstören. Seine Komplexität bekommt das Spiel durch seine 127 Champions. Einer davon ist Teemo. Die Champions haben jeweils individuelle Fähigkeiten, die mit der im Spiel gesammelten Erfahrung skalieren und mit 208 verschiedenen Items kombiniert werden können. Es gibt viele mögliche taktische Vorgehensweisen, die besonders auf professionellem Level spielentscheidend sein können.

 

Die professionellen Spieler trainieren deswegen täglich bis zu acht Stunden mit ihren Trainern und Analysten, um zumindest einen Bruchteil der Champions wirklich beherrschen zu können. Um an der Weltmeisterschaft teilnehmen zu können, müssen sich die Teams zunächst in regionalen Ligen beweisen. Bereits im Februar startete die diesjährige Saison, bei der jeweils zehn Teams im wöchentlichen Rhythmus in Europa, Nordamerika, China, Taiwan und Korea um die Tabellenspitze kämpfen. Nur die besten zwei Teams einer Region qualifizieren sich für die Gruppenphase des Summoner's Cup.

Aus Europa waren das in diesem Jahr Fnatic und Origen, die es bis ins Halbfinale geschafft haben, sich aber gegenüber den beiden koreanischen Teams SK Telecom (SKT) und KOO Tigers geschlagen geben mussten. "Die koreanischen Teams sind aktuell einfach auf einem ganz anderen Level", erklärt der deutsche League-of-Legends-Kommentator bei Summoner's Inn, Nico "Sola" Linke, im Gespräch mit Golem.de. "Sie haben sehr starke Spieler, jeder Einzelne ist einfach ein Talent", ergänzt Maxim "LRSB" Markow, der ebenfalls hauptberuflich als League-of-Legends-Kommentator arbeitet. "Hinzu kommt, dass sie nunmal schon zehn Jahre E-Sport-Erfahrung haben, weil E-Sport in Südkorea schon lange etabliert ist und die professionellen Strukturen nicht erst aufgebaut werden müssen."

Ein ganzer Stab an Trainern, Analysten und Psychologen betreut die südkoreanischen Spieler während und außerhalb des Trainings. "Sie haben innerhalb des Teams durch die wirklich hervorragenden Trainer und feste Strukturen einen enormen Vorteil gegenüber westlichen Teams. Das bedeutet, sie haben feste Zeiten, wann sie essen, wann sie körperlichen Sport machen, wann sie gemeinsam trainieren und wann sie einzeln trainieren", erklärt Markow. In europäischen Teams etablieren sich solche Strukturen noch recht langsam. Erst mit dem Start dieser Saison waren Trainer fester Bestandteil der Teams, doch besonders die Profispieler müssen sich erst noch daran gewöhnen. "Die Spieler in Korea sind alle Superstars, aber sie fügen sich dem Coach und hören auf ihn. Das ist in Europa leider nicht immer der Fall", sagt Linke.

 

 

Finale mit zwei südkoreanischen Teams

 

Generell ist die Mentalität der Spieler in Südkorea eine andere: "Sie bekommen schon von klein an gesagt: 'Wenn du nicht der Beste bist, bist du ein Garnichts', was pädagogisch gesehen natürlich katastrophal ist, im Leistungssport aber der entscheidende Vorteil sein kann", sagt Markow. "Natürlich betrachten auch europäische Spieler ihre Leistung kritisch, sind aber meist nicht verbissen und diszipliniert genug."

Der Unterschied zwischen den asiatischen und den westlichen Teams ist in den vergangenen Jahren aber bereits deutlich kleiner geworden. "Die einzelnen Regionen sind mittlerweile ähnlich stark", beobachtet Kim "kkOma" Jung-gyun, Trainer von SKT, und auch die Tatsache, dass die beiden europäischen Teams so weit gekommen sind, spricht dafür. In diesem Jahr stehen aber noch zwei koreanische Teams im Finale: SKT und KOO Tigers.

SKT gilt dabei eindeutig als Favorit. Nicht nur wegen des Starspielers Lee "Faker" Sang-hyeok glauben die League-of-Legends-Experten am Analystentisch vom Riot-Livestream vor den ersten Spielen an einen klaren Sieg von SKT, das Team hat während des gesamten Summoner's Cups unglaublich dominant präsentiert und keines der 17 Spiele verloren.

"Welcome to Summoner's Rift"

Und deswegen begrüßen die Zuschauer die Spieler mit tosendem Applaus in der Arena. Aber auch die Underdogs vom Team KOO Tigers werden lautstark empfangen, vielleicht sogar ein wenig lauter als die Gegner, um sie zu motivieren, doch eine Sensation zu vollbringen.

 

Das erste Spiel beginnt. Keine fünf Minuten sind vergangen, und es hallt "First Blood" durch die Halle: Den KOO Tigers ist es gelungen, den ersten Champion von SKT zu töten. Die Menge tobt. Schaffen es die Underdogs doch, die scheinbar Unbesiegbaren zu schlagen? Wenige Minuten später wird klar: Das wird zumindest im ersten Spiel nichts. SKT schafft es schnell, den Angriff zu kontern und einen kleinen Goldvorteil zu erspielen. Nach 40 Minuten ist das erste Spiel vorbei. SKT hat in zahlreichen weiteren Aktionen gezeigt, dass es einfach das bessere Team ist und etwas vorausschauender spielt.

Das zweite Spiel bestätigt SKTs Performance im ersten Spiel: Ohne Fehler gelingt dem Favoriten ein Sieg, ohne überhaupt in Schwierigkeit zu geraten. Das nächste Spiel muss KOO Tigers gewinnen und SKTs Siegesserie beenden, sonst ist das Finale nach bereits drei Spielen entschieden.

KO-OO TI-GERS!

Die Fans geben vor dem dritten Spiel noch einmal alles und feuern die Underdogs an. Und das nicht nur in der Mercedes-Benz-Arena: Auch beim deutschen Community-Event scheppern Hunderte Klatschstangen in der Industriehalle für die KOO Tigers. In der Gamingbar Meltdown hoffen alle schon seit Beginn des Finales insgeheim auf den Sensationssieg.

Und tatsächlich: Die KOO Tigers schaffen es, das dritte Spiel für sich zu entscheiden. Gleich zu Beginn des Spiels gelingt es ihnen durch sehr offensives Spielen und einige Fehler von SKT, alle fünf Champions der Favoriten zu töten. Die Stimmen der Kommentatoren überschlagen sich, die Zuschauer starten eine La-Ola-Welle durchs gesamte Stadion. Die KOO Tigers haben es geschafft, die scheinbar Unbesiegbaren doch zu überraschen, was letztendlich auch den Sieg bedeuten sollte, denn diesen Rückstand kann selbst SKT nicht mehr aufholen.

 

Die Spieler von SKT nehmen die Niederlage aber recht gelassen. Sich jetzt über das Spiel zu ärgern, würde nichts bringen und zu weiteren Fehlern führen. Sie wissen genau: Sie müssen ihr Spiel durchziehen, dann schaffen sie es, KOO Tigers ohne Probleme zu besiegen. Und diese Taktik verfolgt SKT auch im vierten Spiel. Deutlich ruhiger und langsamer im Spielaufbau geht es im vierten Spiel zu. Die Spieler konzentrieren sich auf das sogenannte Late-Game, das etwa ab der 25. Minute beginnt. Hier hat das Team seine Stärken und zeigt diese auch. Der Sieg ist sicher und damit auch der Weltmeistertitel. Es ist ein verdienter Sieg. Für Faker sogar der zweite seiner Profi-Spieler-Karriere, das hat bisher keiner geschafft.

Und die KOO Tigers? Sie sind nicht traurig, sie freuen sich, überhaupt auf einer solch großen Bühne spielen zu dürfen. Anfang des Jahres hätte es ihnen niemand zugetraut und selbst während des Turniers galten sie nie als Favorit für das Finale. Vielleicht schafft es im nächsten Jahr ein europäisches Team so weit. Und dann werden erneut die giftgrünen Teemo-Mützen am Austragungsort für Aufsehen sorgen. Wo das sein wird, wollte Riot noch nicht verraten.

 

 

Quelle: Golem


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